Ausstellungseröffnung 30.11. 18:00 Uhr Medien Werkstatt Wien

BEHAVIOR SETTING

Carla Bobadilla / Petra Buchegger

Medienwerkstatt Wien, 1070, Neubaugasse 40A
Eröffnung: Samstag 30.11.2013, 18:00 Uhr
Zur Eröffnung spricht Elke Krasny

Ausstellung: 30.11.2013 – 16.12.2013
Fr / Sa / Mo 14:00 – 18:00 Uhr
Carla Bobadilla

Verkaufe wegen finanzieller Notlage © Carla Bobadilla 2013

Carla Bobadilla
Verkaufe wegen finanzieller Notlage
Rauminstallation, Fotografien, Collagen

Viele Einfamilienhäuser haben erst im Laufe der Jahre ihr aktuelles Aussehen entwickelt, in dem sich die Wünsche und Anforderungen derer widerspiegeln, die sie bewohnen: ein zusätzliches Zimmer für ein neues Kind, eine Erweiterung in den Garten für das neue Esszimmer. Diese Bauten haben die Stadt gefüllt mit ihren eigenartigen Formen, indem sie illegal Bauplätze okkupiert haben und so der Stadt eine ganz spezielle Charakteristik gegeben haben. Die Häuser sind oft prekär und nicht gut konstruiert, oft fehlen ihnen selbst die notwendigsten Erfordernisse an Schutz und Annehmlichkeit für ihre Bewohner. Die Familien, die sie gebaut haben, hatten oft nur Zugang zu einfachsten Baumaterialien mit der Folge, dass Dächer undicht sind, die Wände den vielen kleinen Erdbeben nicht widerstehen, die Hölzer voller Termiten sind und kein Anschluss an die Kanalisation existiert.
Diese Häuser und ihre Zimmer zeigen sich oft wie kleine Museen, in denen die Familiengeschichte abgebildet. Sie sind nicht öffentlich und werden nur sichtbar in Fotoalben mit den Erinnerungen an besondere Familienfeste. Fotos aus diesen Alben zirkulieren heute im Internet bei den Versuchen, diese prekären Immobilien zu verkaufen. Unter dem Titel „Verkauf wegen Notlage“ oder „Klein aber gemütlich“ werden diese Häuser verkauft, teilweise möbliert und voll mit Erinnerungen, persönlicher Ausstattung, Fotografien, Plastikblumen oder Kunstimitationen. Ohne Scheu stellen die Bewohner das Innerste des Familienlebens im Internet zur Schau und erlauben uns damit einen flüchtigen Blick auf die Geschichte ihres Lebens.
Die Gründe für die Verkäufe dieser Häuser, die zum Teil zerstört werden und deren Grund dann als Baugrund für die Konstruktion von Hochhäusern dient, sind vielfältig: die zunehmende soziale Durchlässigkeit der Gesellschaft, die administrative Regulierung von Grundbesitz und illegalen Landnahmen, das verstärkte Immobiliengeschäft, eine klarere und durchsetzungsfähigere Politik des Staates in sozialen Fragen und Fragen des Wohnens. In dieser neuen Arbeit beschäftige ich mich mit mehreren Beobachtungen: auf der einen Seite die Bilder von der Selbstdarstellung der eigenen intimen Wohnumgebung im Netz, auf der anderen Seite die Frage danach, wie die neuen Immobilienprojekte den Raum der Stadt verändern, vor allem durch die Hochhäuser, und die Wahrnehmung davon. Ein weiterer Aspekt ist die Beobachtung, wie es Menschen geht, die aus selbst gemachten Häusern umziehen in neue (Sozial-)Wohnungen, die schon fertig gestaltet sind.

Petra Buchegger

The Maternal makes everything flourish © Petra Buchegger 2013

Petra Buchegger
Innenhaus und Außenhaus
oder
The Maternal makes everything flourish

Inge Meta Hülbusch, Pionierin der feministischen Freiraumplanung schrieb bereits Ende der 70er Jahre: “Die Wohnung umfasst auch nicht den besetzten Lebensraum in Sinne eines Behavior Setting. Und die kleinste Einheit in der Hierarchie der Weiterungen des sozial verstandenen Lebensraumes, dem die materielle Ausstattung und Verfügung nur Grundlage ist, beschränkt sich nicht auf das Innenhaus. Wie sonst sollte man hinaus kommen, Kontakte und Konflikte eingehen und auch Hilfe, Ergänzung, Information einholen können? Die Verfügung über Innenhaus und Außenhaus ist eine der minimalen Voraussetzungen zur verbindlichen Eroberung des Quartiers. Obwohl hier die Ausstattung und Struktur als Voraussetzung genannt sind, ist es notwendig, daß dieses materiale, physische Moment durch Gesichter erlebt und begriffen wird.“ Gerda Schneider, Professorin für Landschaftsplanung an der Universität für Bodenkultur formuliert in Anlehnung an Inge Meta Hülbusch: „Wenn wir Innenhaus und Außenhaus als Arbeitsplatz (insbesondere) von Frauen verstanden haben, so wissen wir, wie ein brauchbares Quartier, ein Stadtteil, eine Stadt in ihren Bau- und Freiraumstrukturen organisiert sein sollte, um Frauen, Alten und Jungen ein Lebens- und Wirtschaftsort zu sein.“

Das gezeigte Objekt „Shed“ (1×1,86×2,2m, Holz geflochten, Kittelschürzen-Stoff) und die Wand-Videoinstallation „The Maternal makes everything flourish“ nehmen Bezug auf Innenhaus und Außenhaus, Subsistenzwirtschaft und die“ Symbolischen Ordnung der Mutter“3. Meine künstlerische Arbeit steht im theoretischen Zusammenhang mit der Subsistenztheorie und Differenzphilosophie der Universität Kassel, Verona und der Universität für Bodenkultur. Über das Kleidungsstück der Kittelschürze arbeite ich zu Themen wie „weibliche Genealogie“ und der Bedeutung von weiblicher Stärke, Freiheit und Differenz.

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